Die Exgardisten-Vereinigung Ostschweiz kann sich wahrlich glücklich schätzen, dass sich ihr Sektionsgebiet bis in die italienischsprachigen Südtäler Graubündens erstreckt. An einem überaus sonnigen Septemberwochenende galt es, das Valposchiavo zu erkunden, und ein halbes Hundert Exgardisten und Angehörige folgten der verlockenden Einladung. Ein Entscheid, den man keine Sekunde bereuen sollte, denn die gebotenen Programmpunkte und die gelebte Kameradschaft waren grossartig!

Dass sich die grosse Mehrheit der päpstlich geprägten Gästeschar für die Anfahrt mit dem Zug entschied, ist wenig verwunderlich: Die Einzigartigkeit von Landschaft und Bahnstrecke über Albula und Bernina ist bekanntlich seit kurzem auch UNESCO-geprüft. In Poschiavo wurde die illustre Reisegruppe von Kamerad Graziano Rossi empfangen, der vor Ort für die tadellose Organisation besorgt war. Nach einem ersten Exkurs in die exzellente Puschlaver Kulinarik stellte eine höchst informative Ortsführung Poschiavo als pittoreskes und trotz seiner relativen Kleinheit ungeheuer vielseitiges regionales Zentrum vor. Die eigentümliche Überschneidung des schweizerischen und des italienischen Kulturkreises hat im Valposchiavo eine speziell reizvolle Mischung ergeben, auch wenn die Mundart des Puschlavs – das Pus'ciavin – selbst für Dialekterprobte eine besondere Herausforderung darstellt.

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Veltliner Weine…

Der Samstagabend war dem Wein gewidmet. Kurz hinter der Grenze, in der Nähe von Tirano, liegt das Weingut „La Gatta“ der Puschlaver Weinfirma Fratelli Triacca. Nach einem instruktiven Spaziergang durch die Reben ging es zum herrschaftlichen ehemaligen Dominikanerkloster, das den Mittelpunkt des prächtigen Weingutes bildet. In den jahrhundertealten Kellergewölben des geschichtsträchtigen Gebäudes lagern die edlen Veltliner-Tropfen in den Eichenfässern, bis sie in Flaschen abgefüllt in die Welt hinaus gesandt werden. Zum hervorragenden Essen, das im grossen Saal des dezent restaurierten ehemaligen Klosters serviert wurde, durfte denn auch eine erlesene Auswahl an Weinen nicht fehlen. Die ausgelassen-weinselige Stimmung gab Zeugnis vom prächtigen kulinarischen Vergnügen, das alle Gäste bis spät in die Nacht überkommen sollte.

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…und Puschlaver Spiritualität

Wie es sich für einen aufrechten Gardisten gehört, folgt auch auf einen sehr heiteren Samstagabend stets die feierliche Ernsthaftigkeit der sonntäglichen Eucharistie. Die Gästeschar aus Exgardistenkreisen war nach Prada zur Messe in der Kirche des Hl. Bernhard von Clairvaux geladen. Begleitet von der Dorfmusik in Vollbesetzung und viel Gemeindevolk, zog die achtköpfige Verstellmannschaft mit Sektionsfahne in stolzer Formation in die Kirche ein. Doch die Exgardisten waren nicht nur für die festliche Umrahmung des Gottesdienstes besorgt; aufgrund der krankheitsbedingten Abwesenheit des Ortspfarrers war es an Kamerad Kaplan Pirmin Zinsli, die Messe zu lesen. Das Tagesevangelium (Mt 20,1–16a) mit der berühmten Passage „Così gli ultimi saranno i primi, e i primi ultimi“ war Grundlage einer tiefsinnigen und facettenreichen Homilie.

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Nach der Messe wurde gemeinsam mit der Bevölkerung von Prada auf dem Vorplatz der Kirche der reichhaltige Aperitif eingenommen, bevor es zum abschliessenden Mittagessen ging. In Hochstimmung machten sich die Teilnehmenden im Laufe des Nachmittags auf den – zuweilen langen – Heimweg. Das Wochenende unter Freunden im wunderschönen Puschlav wird allen Teilnehmenden unvergessen bleiben!

Lukas Schmucki

Fotos von Yvonne Suter